Sierra Leones Blutdiamanten —
Treibstoff der Gewalt

Unvergänglich, glitzernd, wertvoll – Diamanten. Was viele nicht wissen: Häufig kleben Blut, Schweiss und Tränen an den Steinen. In Abbauländern wie Sierra Leone schuften die Schürfer wie Sklaven und leben in bitterer Armut.

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Viele Menschen sind in Schuldknechtschaft: Harte Arbeit bei geringstem Lohn

Elf Jahre lang herrschte ein blutiger Bürgerkrieg im afrikanischen Sierra Leone. Es war ein Krieg, der vor allem um Diamanten geführt wurde. »Mit dem Verkauf der Steine finanzierten die Kriegsparteien ihren Waffennachschub, und die internationalen Diamantenkonzerne hielten den blutigen Konflikt in Gang, indem sie den Kriegsherren die globalen Märkte erschlossen,« erklärt der Journalist Michael Obert, der das Land mit seinen Minengebieten bereiste. Jetzt herrscht ein labiler Frieden. Der Warlord Charles Taylor steht vor Gericht, die mitverant-wortliche Diamantenindustrie hingegen nicht. Sierra Leona zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Und Obert warnt: »Hält die soziale Ungleichheit an, bei der die meisten Menschen völlig verarmt, aber einige wenige von ihr profitieren, könnte der Krieg jederzeit wieder ausbrechen. Und: Ausgerechnet jene Konzerne, die jahrelang exorbitante Gewinne eingestrichen und Zehntausende von Toten in den diamantenreichen Ländern Afrikas mit zu verantworten hatten, lancierten nach Kriegsende eine millionenschwere Imagekampagne, um Konsumenten darüber aufzuklären, wie der geschundene Kontinent neuerdings vom Abbau der Steine profitiere.« Zahnloser Tiger Dank des 2003 in Kraft getretenen Kimberley-Abkommens, das über staatliche Herkunftszertifikate den Handel mit diesen »Blutdiamanten« unterbinden soll, soll sich die Lage verbessern. Doch: »Weit gefehlt,« sagt Anne Jung, die für medico international viele Jahre lang im Rahmen der Kampagne „Fatal Transactions“ den Kimberley-Prozess kritisch begleitete. „Der Kimberley-Prozess sieht als Selbstverpflichtungsabkommen keine bindenden Regeln für die Mitgliedsländer vor. Klare Regularien zur Überprüfung des Abkommens sowie Bestrafungsmechanismen für Länder, die gegen das Abkommen verstoßen, sind unabdingbar, um dem Abkommen Substanz zu verleihen. Dies gilt gerade vor dem Hintergrund, dass der Kimberley-Prozess bereits als Vorbild für die Zertifizierung weiterer Ressourcen gehandelt wird.«

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