Das Business mit der »Ware Frau«
– der Weg von Afrika nach Europa


Sklaverei ist kein Phänomen der Vergangenheit. Betroffen sind zehntausende afrikanische Frauen, die nach Europa in die Zwangsprostitution verschleppt werden.

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Reportage (ARD): Das Business mit der »Ware Frau«
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Flashmob/Imagespot Amsterdam, Stop the Traffik

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Joy sitzt auf einem Stuhl, der Kopf mit den langen Plastiklocken hängt nach unten und streift den Boden, sie umarmt ihre Unterschenkel und wippt vor und zurück. Hinter ihr läuft stumm ein Fernseher, Autorennen. Die Minuten ziehen unendlich langsam vorbei in dieser Mischung aus Stundenhotel und Bordell gegenüber dem Prater in Wien, einem der Zentren des Straßenstrichs der Stadt. Nebenan zieren verstaubte Spitzenvorhänge und Topfblumen die billigen Parterrewohnungen, nur in diesen drei Fenstern brennt rotes Licht. »Kleinhandel mit Getränken und Privatzimmervermittlung« steht auf dem Schild neben der Tür, gemalt mit ungelenken Buchstaben auf weißem Karton. Auf den alten Ledersofas sitzt ein halbes Dutzend junger Mädchen, alle aus Nigeria. Dazwischen thront eine Madame: Eine missmutige ältere Afrikanerin im Trainingsanzug mit einem Tuch um den Kopf, die scharfe Kommandos zischt. Joy hebt den Kopf, seufzt laut und zieht die Jeans hoch. Sie setzt sich neben einen Gast, legt die Hand auf sein Knie und fragt mit bemerkenswerter Abscheu in der Stimme: »Fuck?« Doch der Gast wartet auf ein anderes Mädchen. Als er aufsteht, setzt sich Joy wieder auf ihren Stuhl und umarmt ihre Knie, den Kopf nach unten. Joy ist eine von zehntausenden jungen Nigerianerinnen, die nach Europa verkauft wurden, um in der Prostitution ausgebeutet zu werden. Draußen, vor dem Bordell, liegt das Wiener Messegelände, an dem lange Reihen von Mädchen und Frauen stehen, die meisten aus Nigeria, die meisten blutjung: Man nimmt ihnen kaum ab, dass sie über 18 sein sollen. Sie stehen mit Miniröcken in der beißenden Kälte, oder sie tragen einfach Jeans und Turnschuhe. Wenn eine Glück hat, dann zahlt der Freier ein Zimmer im Stundenhotel. Sonst ist der Arbeitsplatz ein Baum, an den gelehnt, das Geschäft abgewickelt wird, oder der Beifahrersitz eines Autos. Wiese und Gehsteig sind übersät mit gebrauchten Kondomen und Taschentüchern. 30 Euro für »Blasen und Verkehr« ist hier der Standard-Tarif, an schlechten Tagen werden die Preise halbiert. Damit müssen die Mädchen und Frauen die Menschenhändler abzahlen: Sie werden meist unter falschen Versprechungen angeworben – ein Job, ein Studium. Mit gefälschten Papieren werden sie nach Europa gebracht und in die Prostitution gezwungen. Bis sie ihre »Schulden« abgezahlt haben, sind sie praktisch versklavt. 45.000 bis 60.000 Euro ist der Tarif derzeit, das sind beim Prater in Wien 2.000 Kunden. Dazu kommen exorbitante Kosten für Miete und Kleidung von bis zu 3.500 Euro pro Monat.

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